Rutenfest Ravensburg
Das jährliche Rutenfest in Ravensburg ist so etwas wie ein mittelalterliches Abifest mit Schießen. Das wahrscheinlich einzige Volksfest in Deutschland, bei dem Kinder und Jugendliche so im Mittelpunkt stehen. Die Umzüge und Musikgruppen mit Schülern aller Ravensburger Schulen bestimmen immer Ende Juli für fünf Tage das Stadtgeschehen. Seinen Ursprung hat das Rutenfest im Mittelalter. Mit Ruten als Symbol für die Schule, zogen sie am Ende ihrer Pennälerlaufbahn durch die Stadt. Höhepunkt des Festes ist der Paradezug am Rutenmontag.
Was wahrscheinlich als kleines privates Gruppenvergnügen der Abschlussklassen begann, ist inzwischen zu einer Großveranstaltung geworden, die eine bunte Mischung aus Kostümumzügen, Musikveranstaltungen, Theaterfestival und Schützenfest in sich vereinigt. Traditionell wird von Ruten-Freitag bis Ruten-Dienstag gefeiert. Höhepunkt des Stadtfestes ist der Festzug am Ruten-Dienstag. 90 Festwagen, die von 240 mit Blumen geschmückten Pferden gezogen werden, bestimmen das Bild auf der fünf Kilometer langen Strecke des Paradezugs. 5.500 Mitwirkende nehmen daran teil, darunter 1.000 Musikanten aus über 30 Kapellen. Außerdem die Mitglieder von Fanfarenzügen und Trommlercorps. Da viele Ravensburger von ihrer Grundschulzeit bis zum Schulabschluss jedes Jahr an den festlichen Umzügen teilnehmen, hat sich das Rutenfest bis heute über alle Generationen lebendig erhalten.
Die Kostüme und Uniformen, die die Musiker auf den Umzügen nach historischen Vorbildern gefertigt tragen, sollen die lange Geschichte der Stadt Ravensburg, ihrer Bewohner und Handwerkszünfte widerspiegeln. Die Festwagen sollen von der Geschichte des Herrschergeschlechts der Welfen und Staufer oder über die Ravensburger Handelsgesellschaft erzählen. Die war im 16. Jahrhundert ein Wirtschaftsmulti in Süddeutschland.
Mehrere Trommlergruppen und Musikcorps bestimmen das musikalische Festgeschehen des Rutenfestes. Die Neue Spohngruppe, das Trommlercorps der Gymnasien, die Landsknechte sowie die Ruten- und Schützentrommler. Die Rutentrommler als Formation finden bereits in der Frühzeit des Stadtfestes im 17. Jahrhundert Erwähnung. Andere Gruppen wie die Neue Spohngruppe wurden erst in den 1960er Jahren in die Traditionsumzüge integriert. Für viele Ravensburger ist das Rutenfest ein Stück Identität, für inzwischen viele tausend Besucher von überall her eine große Attraktion.